Februar 2026·10 Min. Lesezeit

Unterschied zwischen IBS und SIBO: Ratgeber zur Diagnose

Wenn du seit längerer Zeit Verdauungsprobleme hast -- Blähungen, Bauchschmerzen, übermäßige Gasbildung und Stuhlunregelmäßigkeiten -- ist es sehr wahrscheinlich, dass du die Diagnose Reizdarmsyndrom (IBS) erhalten hast oder dass dir die Dünndarm-Fehlbesiedlung (SIBO) ein Begriff ist. Oft werden diese beiden Begriffe verwechselt, synonym verwendet oder einer zugunsten des anderen ignoriert. Aber IBS und SIBO sind nicht dasselbe, obwohl sie eng miteinander verbunden sind: Man schätzt, dass bis zu 60-80 % der IBS-Patienten SIBO als zugrunde liegende Ursache haben könnten. Den Unterschied zu verstehen ist entscheidend, um die richtige Behandlung zu erhalten und sich endlich besser zu fühlen. In diesem Ratgeber erklären wir, was jede Erkrankung ist, wie sie diagnostiziert werden, welche Symptome sie gemeinsam haben und was sie unterscheidet.

1. Was ist IBS (Reizdarmsyndrom)?

Das Reizdarmsyndrom (IBS, im Englischen Irritable Bowel Syndrome) ist eine funktionelle Verdauungsstörung. Das bedeutet, dass es reale und erhebliche Symptome gibt, aber konventionelle Untersuchungen (Koloskopie, Blutbild, Ultraschall) keine offensichtlichen strukturellen oder biochemischen Auffälligkeiten zeigen.

Es betrifft etwa 10-15 % der Weltbevölkerung und ist bei Frauen häufiger. Es wird nach dem vorherrschenden Stuhlmuster in Subtypen eingeteilt:

  • IBS-D: mit überwiegendem Durchfall.
  • IBS-C: mit überwiegender Verstopfung.
  • IBS-M: Mischtyp (wechselnd zwischen Durchfall und Verstopfung).
  • IBS-U: nicht klassifiziert.

Die Diagnose basiert auf den Rom-IV-Kriterien, die wiederkehrende Bauchschmerzen an mindestens 1 Tag pro Woche in den letzten 3 Monaten erfordern, verbunden mit zwei oder mehr der folgenden Punkte:

  • Zusammenhang mit dem Stuhlgang.
  • Veränderung der Stuhlfrequenz.
  • Veränderung der Stuhlform oder -beschaffenheit.

IBS gilt als Ausschlussdiagnose: Man gelangt dazu, nachdem andere organische Ursachen ausgeschlossen wurden.

2. Was ist SIBO?

SIBO (Small Intestinal Bacterial Overgrowth), auf Deutsch Dünndarm-Fehlbesiedlung, ist eine spezifische Diagnose: Es gibt eine messbare Überwucherung von Bakterien im Dünndarm, wo die Bakterienpopulation normalerweise gering sein sollte.

Im Gegensatz zu IBS hat SIBO eine identifizierbare Ursache -- ein Überschuss an Bakterien -- und kann objektiv mit einem Atemtest oder in einigen Fällen mit einer Aspiration und Kultur des Dünndarminhalts gemessen werden (gilt als Goldstandard, wird in der Praxis aber selten angewendet).

Es gibt drei Haupttypen:

  • Wasserstoff-SIBO: Die Bakterien produzieren übermäßig Wasserstoff. Wird hauptsächlich mit Durchfall in Verbindung gebracht.
  • IMO (Intestinal Methanogen Overgrowth): Methanogene Archaeen produzieren Methan. Wird mit Verstopfung in Verbindung gebracht. Technisch gesehen wird es nicht mehr als "SIBO" bezeichnet, da Methanogene keine Bakterien sind, sondern Archaeen, und auch im Dickdarm vorkommen können.
  • Schwefelwasserstoff-SIBO: Ein dritter, weniger bekannter Typ, verursacht durch sulfatreduzierende Bakterien. Wird mit Durchfall und Symptomen wie "faulem Eiergeruch" in Verbindung gebracht.

3. Gemeinsame Symptome

Dies ist der Hauptgrund für die Verwechslung: IBS und SIBO teilen eine beeindruckende Liste von Symptomen:

  • Blähungen und abdominelle Distension
  • Übermäßige Gasbildung
  • Bauchschmerzen und Krämpfe
  • Durchfall, Verstopfung oder beides
  • Frühzeitiges Sättigungsgefühl
  • Dringender Stuhldrang
  • Allgemeines Unwohlsein nach den Mahlzeiten
  • Müdigkeit

In der Sprechstunde können ein Patient mit SIBO und einer mit "reinem" IBS praktisch identische Beschwerden präsentieren. Deshalb ist es entscheidend, über die Symptome hinauszugehen.

4. Unterscheidende Symptome

Obwohl es große Überschneidungen gibt, können bestimmte Muster auf das eine oder andere hinweisen:

Merkmal Eher typisch für IBS Eher typisch für SIBO
Blähungen Variabel, oft stressbezogen Progressiv im Tagesverlauf, sehr ausgeprägt nach Mahlzeiten
Beginn der Symptome Nach Stress, Reise oder Gastroenteritis Nach langfristiger PPI-Einnahme, Bauchoperationen oder nach Gastroenteritis
Aufstoßen Gelegentlich Häufig und ausgeprägt
Gewichtsverlust Ungewöhnlich Möglich (durch Malabsorption)
Nährstoffmängel Selten Häufig (Eisen, B12, fettlösliche Vitamine)
Ansprechen auf Antibiotika Teilweise und vorübergehende Besserung mit Rifaximin Deutliche Besserung (kann jedoch rezidivieren)
Ansprechen auf Probiotika Variabel Kann sich anfangs verschlechtern
Brain Fog Möglich Häufiger und ausgeprägter
Schmerzen Kann sich durch Stuhlgang bessern oder verschlechtern Mehr mit der Nahrungsaufnahme verbunden
Steatorrhoe (Fettstuhl) Selten Möglich bei Malabsorption

5. Wie wird IBS diagnostiziert?

IBS wird diagnostiziert durch:

  1. Ausführliche Anamnese: Bewertung der Rom-IV-Kriterien.
  2. Ausschluss anderer Erkrankungen:
    • Labordiagnostik: Blutbild, CRP, BSG, Zöliakie-Antikörper (Anti-tTG-IgA), fäkales Calprotectin.
    • Bei Patienten über 50 Jahre oder mit Alarmsymptomen: Koloskopie.
    • Schilddrüsenfunktion.
    • In einigen Fällen: Laktoseintoleranztest, Untersuchungen auf chronisch-entzündliche Darmerkrankungen.
  3. Positive Kriterien: Es ist nicht nur "wir finden nichts", sondern die Symptome passen zum Rom-IV-Muster.

Häufiges Problem: Viele Patienten erhalten die Diagnose IBS, ohne dass jemals ein SIBO-Test durchgeführt wurde, was zu jahrelanger symptomatischer Behandlung führen kann, ohne die zugrunde liegende Ursache zu beheben.

6. Wie wird SIBO diagnostiziert?

Atemtest (Breath Test)

Dies ist die am häufigsten verwendete und zugänglichste Untersuchung:

  • Vorbereitung: restriktive Diät 24 Stunden vorher + 12 Stunden Nüchternheit.
  • Ablauf: Es wird eine Lactulose- oder Glucoselösung getrunken. Atemproben werden alle 15-20 Minuten über 2-3 Stunden gesammelt.
  • Interpretation:
    • Anstieg des Wasserstoffs um 20 ppm oder mehr über den Ausgangswert in den ersten 90 Minuten → Wasserstoff-SIBO positiv.
    • Methan 10 ppm oder mehr zu irgendeinem Zeitpunkt → IMO positiv.

Einschränkungen:

  • Beachtliche Rate an falsch-negativen Ergebnissen (insbesondere mit Glucose, die nur den proximalen Dünndarm erfasst).
  • Der Lactulose-Test kann falsch-positive Ergebnisse liefern, wenn die Lactulose früher als erwartet den Dickdarm erreicht.
  • Erkennt Schwefelwasserstoff-SIBO schlecht (dafür wird das Trio-Smart-Gerät benötigt, das in Europa noch wenig verfügbar ist).

Duodenal-/Jejunalaspirat

  • Theoretischer Goldstandard: Es wird eine Probe direkt aus dem Dünndarm entnommen und die Bakterien kultiviert.
  • In der Praxis wird es wenig verwendet, da es invasiv, teuer und nicht in vielen Zentren verfügbar ist.

7. Die Verbindung IBS-SIBO

Die Beziehung zwischen IBS und SIBO ist eng und bidirektional:

  • SIBO als Ursache von IBS: Studien deuten darauf hin, dass 60-84 % der IBS-Patienten einen positiven SIBO-Test haben (Zahlen, die je nach Diagnosemethode und untersuchter Population variieren).
  • Infektiöse Gastroenteritis → post-infektiöses IBS → SIBO: Eine Gastroenteritis (Lebensmittelvergiftung) kann die interstitiellen Cajal-Zellen und die Neuronen des enterischen Plexus durch einen Autoimmunmechanismus schädigen (Anti-Vinculin- und Anti-CdtB-Antikörper), wodurch der MMC dauerhaft gestört wird. Dies prädisponiert für SIBO, das sich als IBS manifestiert.
  • Pimentel-Modell: Dr. Mark Pimentel (Cedars-Sinai, Los Angeles) hat vorgeschlagen, dass viele IBS-Fälle tatsächlich nicht diagnostiziertes SIBO sind und dass Gastroenteritis der häufigste Auslöser ist.

Was wenn ich IBS habe und mein SIBO-Test negativ ist?

Mehrere Möglichkeiten:

  • Der Test kann ein falsch-negatives Ergebnis sein.
  • Es kann ein nicht erkanntes Schwefelwasserstoff-SIBO vorliegen.
  • Es kann IBS ohne SIBO sein, vermittelt durch andere Mechanismen (viszerale Hypersensitivität, Dickdarm-Dysbiose, Darm-Hirn-Achse usw.).
  • Es könnten andere Ursachen vorliegen: SIFO (fungale Überwucherung), Histaminintoleranz, exokrine Pankreasinsuffizienz usw.

Ernährung für IBS und SIBO

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8. Behandlung IBS vs. Behandlung SIBO

Aspekt IBS-Behandlung SIBO-Behandlung
Ernährung Low FODMAP (sehr effektiv) Low FODMAP + ggf. Elementardiät oder Bi-Phasic-Diät
Hauptmedikation Spasmolytika, Abführmittel/Antidiarrhoika, trizyklische Antidepressiva in niedriger Dosierung Rifaximin +/- Neomycin/Metronidazol oder pflanzliche Antimikrobielle
Supplements Probiotika, lösliche Ballaststoffe, Pfefferminzöl Pflanzliche Antimikrobielle, Prokinetika, Verdauungsenzyme
Prokinetika Nicht immer notwendig Grundlegend zur Rückfallprävention
Psychologischer Ansatz Kognitive Verhaltenstherapie, darmgerichtete Hypnotherapie Nützlich als Ergänzung
Ziel Symptomkontrolle Überwucherung beseitigen + Rezidiv verhindern
Behandlungsdauer Langfristig, chronisches Management Behandlungszyklen + Erhaltung

Kernpunkt: Die IBS-Behandlung ist tendenziell symptomatisch und langfristig, während die SIBO-Behandlung darauf abzielt, eine identifizierbare Ursache zu beseitigen und deren Wiederkehr zu verhindern.

9. Kann man beides haben?

Ja, und tatsächlich ist das am häufigsten der Fall. Viele Patienten haben:

  1. SIBO als Hauptursache → Bei Behandlung verbessern sich die IBS-Symptome oder verschwinden.
  2. IBS mit überlagerndem SIBO → SIBO verschlechtert ein zugrunde liegendes IBS. Die Behandlung des SIBO verbessert die Symptome erheblich, aber ein gewisser Grad an viszeraler Empfindlichkeit oder Dysregulation der Darm-Hirn-Achse kann bestehen bleiben.
  3. IBS ohne SIBO → Die Symptome sind real, aber es gibt kein bakterielles Überwachstum. Der Ansatz ist diätetisch, pharmakologisch und psychologisch.

Die gute Nachricht ist, dass unabhängig von der genauen Diagnose diätetische Strategien wie die Low-FODMAP-Diät in beiden Szenarien gut funktionieren.

10. Fragen für deinen Arzt

Wenn du vermutest, dass du zusätzlich zu (oder anstelle von) IBS auch SIBO haben könntest, können diese Fragen das Gespräch mit deinem Arzt leiten:

  1. "Können wir SIBO mit einem Atemtest ausschließen?"
  2. "Könnten meine Symptome durch ein bakterielles Überwachstum erklärt werden?"
  3. "Wurden mögliche Nährstoffmängel untersucht (Eisen, B12, Vitamin D)?"
  4. "Ist es sinnvoll, eine Behandlung mit Rifaximin oder pflanzlichen Antimikrobiellen zu versuchen?"
  5. "Sollte ich einen auf FODMAP spezialisierten Ernährungsberater aufsuchen?"
  6. "Gibt es eine zugrunde liegende Ursache, die wir untersuchen sollten (Motilität, Hypothyreose, Verwachsungen)?"
  7. "Sollten Anti-Vinculin- und Anti-CdtB-Antikörper bestimmt werden?" (IBS-Smart-Test, in einigen Zentren verfügbar)

11. Fazit

IBS und SIBO sind keine Synonyme, aber sie sind so eng miteinander verflochten, dass man das eine nicht vollständig ohne das andere verstehen kann. Wenn du seit Jahren eine IBS-Diagnose hast und Behandlungen, die die Symptome nur teilweise lindern, könnte ein SIBO-Test der Schritt sein, der deine Situation verändert. Und wenn bei dir bereits SIBO diagnostiziert wurde, gibt dir das Verständnis, dass Motilität, Ernährung und Rückfallprävention genauso wichtig sind wie die antimikrobielle Behandlung, einen enormen Vorteil.

In beiden Szenarien ist die Low-FODMAP-Diät ein grundlegendes Werkzeug, und kompatible, hochwertige Supplements erleichtern den Prozess enorm. KLARGUT bietet in Europa formulierte Produkte für Menschen mit IBS und SIBO: ohne versteckte FODMAPs, mit transparenten Inhaltsstoffen und evidenzbasierten Dosierungen. Wenn du einen verlässlichen Partner auf deinem Verdauungsweg suchst, ist das ein guter Ausgangspunkt.

Hinweis: Dieser Ratgeber dient der Information und ersetzt nicht die Beurteilung durch einen Arzt. Wenn du vermutest, SIBO zu haben, konsultiere deinen Arzt, um die entsprechenden diagnostischen Tests durchführen zu lassen.

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