IMO (intestinale methanogene Überwucherung, aus dem Englischen intestinal methanogen overgrowth) ist die Neubenennung dessen, was früher "Methan-SIBO" genannt wurde. IMO unterscheidet sich vom klassischen SIBO in drei Punkten: dem beteiligten Mikroorganismus (methanbildende Archaeen statt Bakterien), dem Gas, das im Atemtest auftritt (Methan, CH4, statt Wasserstoff, H2), und dem vorherrschenden Symptom (Verstopfung bei IMO gegenüber Durchfall beim klassischen SIBO).
01 · DefinitionWas ist IMO?
IMO (intestinale methanogene Überwucherung) ist eine Überwucherung mit Methanbildnern (Methanogenen): Mikroorganismen, die als Produkt ihres Stoffwechsels Methan bilden. Der relevanteste im menschlichen Darm ist Methanobrevibacter smithii. Diese Mikroorganismen verbrauchen den Wasserstoff, den andere Bakterien während der Fermentation erzeugen, und wandeln ihn in Methan um.
Ein wichtiger Aspekt: Methanbildner können nicht nur den Dünndarm besiedeln, sondern auch den Dickdarm. Deshalb war der Begriff "Methan-SIBO" ungenau: Das Wort SIBO bezieht sich ausdrücklich auf den Dünndarm, und die Überwucherung mit Methanbildnern beschränkt sich nicht auf diesen Abschnitt. Aus diesem Grund hat sich in der Fachliteratur die Bezeichnung IMO durchgesetzt, die das Phänomen genauer beschreibt, ohne es an einen einzigen Ort zu binden.
02 · Der KernunterschiedSIBO vs. IMO: der entscheidende Unterschied.
Die Verwechslung der beiden Bilder rührt daher, dass sie Symptome teilen und mit derselben Untersuchung nachgewiesen werden. Es gibt jedoch zwei grundlegende Unterschiede, die man klar vor Augen haben sollte:
- Der Mikroorganismus. Das klassische SIBO ist eine Überwucherung mit Bakterien im Dünndarm. IMO ist eine Überwucherung mit methanbildenden Archaeen – einer von den Bakterien verschiedenen Art von Mikroorganismus mit einem eigenen Stoffwechsel.
- Das Gas. Beim SIBO fermentieren die Bakterien die Kohlenhydrate und setzen Wasserstoff (H2) frei – genau das, was der Atemtest misst. Beim IMO verbrauchen die Methanbildner diesen Wasserstoff und wandeln ihn in Methan (CH4) um; deshalb muss der Test neben Wasserstoff auch Methan messen, um es zu erkennen.
Anders gesagt: Beim Wasserstoff-SIBO sammelt sich das Gas an, das die Bakterien produzieren; beim IMO "verschwindet" dieser Wasserstoff aus der Messung, weil die Methanbildner ihn in Methan umwandeln. Ein Test, der nur Wasserstoff misst, kann ein IMO übersehen.
03 · SymptomeSymptome.
Beide Bilder teilen einen gemeinsamen Grundstock an Blähungen, Blähbauch, Gasbildung und Verdauungsbeschwerden. Wo sie sich tendenziell trennen, ist der Stuhlgang:
- Wasserstoff-SIBO: wird häufiger mit Durchfall, Stuhldrang und weicherem Stuhl in Verbindung gebracht. Der Wasserstoffüberschuss und die schnelle Fermentation beschleunigen die Darmpassage.
- IMO / Methan: wird eher mit Verstopfung und anhaltenden Blähungen in Verbindung gebracht. Methan verlangsamt die Darmpassage, sodass der Stuhl träger und schwerer zu entleeren wird.
Diese Trennung ist eine beobachtete Tendenz, keine exakte Regel. Es gibt Menschen mit Mischbildern und andere, deren Symptome nicht ganz in das Muster passen. Wenn du das eine oder andere vermutest, ist der Stuhlgang ein Hinweis, ersetzt aber niemals eine Untersuchung und eine ärztliche Beurteilung. Diese Bilder überschneiden sich zudem mit dem Reizdarmsyndrom (IBS), was die Diagnose anhand der Symptome erschwert.
04 · DiagnoseDiagnose.
SIBO und IMO werden mit derselben Art von Untersuchung diagnostiziert: einem Atemtest. Der Ablauf besteht darin, nüchtern ein fermentierbares Substrat einzunehmen – in der Regel Laktulose oder Glukose – und über mehrere Stunden in regelmäßigen Abständen in ein Gerät zu pusten. Das Gerät misst die ausgeatmeten Gase.
Entscheidend, um ein IMO zu unterscheiden, ist, dass der Test neben Wasserstoff (H2) auch Methan (CH4) misst. Als orientierender Richtwert, der in der Fachliteratur häufig genannt wird, deutet ein Methanwert von 10 ppm oder mehr zu irgendeinem Zeitpunkt des Tests auf ein IMO hin; für das Wasserstoff-SIBO gelten andere Schwellenwerte beim H2.
Diese Zahlen sind nur orientierend. Die Auswertung des Tests und die Diagnose stellt immer eine Ärztin oder ein Arzt, die bzw. der die Ergebnisse zusammen mit deinen Symptomen, deiner Krankengeschichte und anderen Untersuchungen bewertet. Ein einzelner Wert in einer Tabelle ist keine Diagnose.
05 · UmgangErnährung und Umgang.
Der Umgang mit SIBO und IMO wird immer mit einer medizinischen Fachperson entschieden. Die zugrunde liegende Behandlung (die Medikamente umfassen kann) liegt außerhalb des Rahmens dieses Artikels und obliegt deiner Ärztin oder deinem Arzt. Auf der Ernährungsebene ist die Low-FODMAP-Diät eines der Werkzeuge, die häufig eingesetzt werden, um das fermentierbare Substrat zu reduzieren, das die Mikroorganismen ernährt, und so die Symptome zu kontrollieren – stets unter der Aufsicht einer auf Verdauungsstörungen spezialisierten Ernährungsfachkraft.
Die Low-FODMAP-Diät ist in Phasen strukturiert und nicht dafür gedacht, streng und auf unbestimmte Zeit befolgt zu werden. Wenn du deine Mahlzeiten während der Anfangsphase organisieren möchtest, kann dir ein bereits fertiger Low-FODMAP-Wochenplan für sieben Tage helfen. Denke daran, dass keine Diät und kein Produkt für sich allein SIBO, IMO oder eine andere Verdauungsstörung behandelt oder heilt: Es sind Werkzeuge für den Umgang innerhalb eines Plans, den dein medizinisches Team festlegt.
06 · FAQHäufig gestellte Fragen zu SIBO und IMO.
Ist IMO dasselbe wie SIBO?
Nicht ganz. IMO (intestinale methanogene Überwucherung) ist die Neubenennung dessen, was früher "Methan-SIBO" genannt wurde. Der Name wurde geändert, weil der verantwortliche Mikroorganismus keine Bakterie ist, sondern eine methanbildende Archaee (vor allem Methanobrevibacter smithii), und weil sich die Überwucherung nicht wie beim klassischen SIBO auf den Dünndarm beschränkt. Beide teilen Symptome und Diagnosemethode, aber der Mikroorganismus und das produzierte Gas sind unterschiedlich.
Wie wird IMO diagnostiziert?
IMO wird mit demselben Atemtest wie SIBO diagnostiziert: Man nimmt ein Substrat (Laktulose oder Glukose) ein und misst über mehrere Stunden die ausgeatmeten Gase. Der Unterschied ist, dass das Gerät neben Wasserstoff (H2) auch Methan (CH4) messen muss. Ein Methanwert von 10 ppm oder mehr zu irgendeinem Zeitpunkt des Tests gilt als orientierender Hinweis auf IMO. In jedem Fall werden die Auswertung des Tests und die Diagnose von einer Ärztin oder einem Arzt vorgenommen.
Verursacht Methan Verstopfung?
Ein Überschuss an Methan wird mit Verstopfung und Blähungen in Verbindung gebracht. Methan verlangsamt die Darmpassage, weshalb Menschen mit IMO eher zu Verstopfung neigen, während Wasserstoff-SIBO häufiger mit Durchfall einhergeht. Es handelt sich um einen in der Fachliteratur beobachteten Zusammenhang, nicht um eine absolute Regel: Die Symptome variieren von Person zu Person und sollten immer fachlich beurteilt werden.
Dieser Inhalt dient der Information und stellt weder eine Diagnose noch eine medizinische Beratung dar. Wenn du unter anhaltenden Verdauungsbeschwerden leidest, wende dich an eine medizinische Fachperson.